Barockkirchen
Vom späten 16. Jahrhundert bis zum 18. Jahrhundert wirkte in Europa die Zeit des Barock. Vor allem in Italien, Frankreich und Deutschland entstanden Gebäude und Kirchen in diesem prächtigen, reich verzierten, manchmal überladen wirkenden Baustil. Ein berühmtes Beispiel ist der französische Hof von Versailles. Doch wer würde ahnen, dass es auch im weit entfernten Orient, auf den Philippinen, zu dieser Zeit barocke Kirchen entstanden?
Vier von ihnen hat die UNESCO 1993 zum Weltkulturerbe erklärt. Sie wurden im 16. und 17. Jahrhundert gebaut und unterscheiden sich in mancher Hinsicht von den barocken Kirchen Europas. Nicht nur, dass die von den spanischen Missionaren beauftragten philippinischen und chinesischen Handwerker die Gotteshäuser erdbebensicher bauten, sie verewigten in ihnen auch Elemente aus der chinesischen und philippinischen Kultur und interpretierten den europäischen Barock damit ganz neu. Es sind die Kirchen Santo Tomas de Villaneuva in Miag-ao, die San Agustin in Paoay, Nuestra Senra de la Asuncion in Santa Maria und San Augustin in Manila.
San Agustin Church in Manila
San Agustin ist die älteste steinerne Kirche der Philippinen. Sie befindet sich in Intramaurus, einer im Jahr 1571 erbauten Festungsstadt in Manila. Der Bau von San Agustin begann 1586 und wurde 1606 fertig gestellt. San Augustin scheint unter einem besonders guten Stern zu stehen, denn während die meisten Gebäude von Intramaurus Erdbeben, Taifunen, Angriffen und zuletzt den Bomben des zweiten Weltkrieges zum Opfer vielen, hat sie alle Bedrohungen fast unbeschadet überstanden. Die Kirche besitzt kunstvolle mexikanische Wandmalereien, Chorstühle, die von Augustinermönchen meisterlich geschnitzt wurden und viele weitere sehr beeindruckende künstlerische und architektonische Besonderheiten.
San Agustin Church in Paoay
Höhepunkt einer Reise ins Gebiet von Ilocos Norte im Norden von Luzon ist zweifellos die Kirche von Paoay mit ihrer einzigartigen Kombination aus gotischen, barocken und orientalischen Stilelementen. Der Bau der Kirche wurde im Jahr 1604 begonnen und erst 1710 vollendet. San Agustin ist ein beeindruckendes Beispiel für eine Architektur, die der Erdbebengefahr gerecht werden will. Massive Strebepfeiler am äußeren Mauerwerk verleihen ihr besondere Standfestigkeit. Der Kirchturm steht einige Meter neben dem Hauptgebäude und besitzt neben der klerikalen Funktion auch eine ganz weltliche Bedeutung: Er diente während der philippinischen Revolution als Aussichtspunkt.
Nuestra Senra de la Asuncion in Santa Maria
Die Kirche Nuestra Senra de la Asuncion liegt im Nordwesten Luzons in der Ortschaft Santa Maria. Im Gegensatz zur traditionellen spanischen Stadtplanung, nach der die Kirche auf einem Platz im Zentrum steht, wurde die Kirche von Santa Maria auf einem Hügel errichtet und von einem Steinwall umgeben. Dies verleiht ihr einen festungsähnlichen Charakter und während der Revolution von 1986 wurde sie sogar als Festung genutzt. Eine imposante 95 Stufen zählende Steintreppe führt vom Ort zur Kirche.
Santo Tomas de Villaneuva in Miag-ao
Die Fasade dieser Kirche in Miag-ao in der Provinz Iloilo, auf der Insel Panay, ist mit vielen Skulpturen und wunderschönen Reliefen verziert und stellt ein philippinisches Meisterstück dar. Kunstvolle Quasten, Blattranken, Reben, verschiedene Palmen und Girlanden lassen sich entdecken. Zwei imposante Glockentürme rahmen die Portalseite der Kirche ein. Sie wurde aus Sandstein gebaut und gilt als eine der eindrücklichsten Kombinationen von westlichem Barock und philippinischen Motiven.
